Am frühen Samstagmorgen des 27. Augusts traten rund 20 Jungen und Mädchen der Jugendfeuerwehr Wissen zur 24-Stunden-Übung an. Viele Jugendliche waren in diesem Jahr zum ersten Mal dabei , hatten jedoch von Ihren Kameraden schon so einiges gehört! Unerwartete Alarme, spannende "Einsätze" - ja, die ein oder andere Überraschung würde es wohl geben! Umso größer war die Erwartungshaltung der "Frischlinge". Aber auch unsere alt eingesessenen Jungfeuerwehrleute harrten gespannt der Dinge, die da kommen sollten.
Los ging es um 08:00 Uhr mit einem ausgiebigen Frühstück. Während der Küchendienst seinem Amt waltete (denn auch das gehört zu den täglichen Aufgaben eines Berufsfeuerwehrmannes) schlugen die anderen Jugendlichen Ihr Nachtlager auf und bezogen Quartier.
Doch nicht lange und schon ertönte der erste Alarm. Die Leitstelle meldete starke Rauchentwicklung bei der Spedition Rödder. Nach anfänglichem Chaos an den provisorisch errichteten Spinten, saß die Mannschaft schnell auf den Einsatzfahrzeugen und es wurde zur Einsatzstelle ausgerückt. Bereits bei Eintreffen war der starke Rauch, welcher aus einem der Hallentore quoll, nicht zu übersehen. Die Gruppenführer befahlen rasches Handeln. Ein Außenangriff wurde aufgebaut, sodass das "Feuer" schnell unter Kontrolle gebracht werden konnte. Die Wasserversorgung aus dem Bröhlbach übernahmen übrigens unsere Kameraden der Jugendfeuerwehr Schönstein, welche ebenfalls an diesem Wochenende 24-Stunden-Übung hatten.
Nach Einsatzende teilte sich die Mannschaft. So beteiligten sich die älteren Jugendlichen an der Aktion "Freiwilligentag" und übernahmen eine Brückensäuberung im Mühlental. Die anderen Jugendlichen trafen sich im Feuerwehrhaus zu einer Erste-Hilfe-Ausbildung.
Nach dem Mittagessen dann erneut Alarm: Vermissten-Suche in Streitholz. Vermisst wurde ein möglicherweise verwirrter Waldarbeiter. Geschlossen und systematisch durchkämmten die jungen Wehrleute das Waldstück und konnten schließlich Erfolg vermelden. Der Gesuchte war schnell gefunden und konnte dem Rettungsdienst übergeben werden.
Auch zum Alltag eines Berufsfeuerwehrmannes gehören regelmäßige Übungen um für den Ernstfall gewappnet zu sein. So auch bei uns. Am Nachmittag fuhren wir eine gemeinsame Übung mit unseren aktiven Feuerwehrkameraden und nahmen die alte Turbinenpumpe in Betrieb, welche zwar rund 50 Jahre auf dem Buckel hat, jedoch ihrem modernen Bruder, unserer TS 8/8 , eindeutig die Show stahl. Mit 2500 Litern pro Minute hatten einige Kameraden mit den Strahlrohren zu kämpfen.
Am Abend wurde gegrillt. Doch dass man als Feuerwehrmann 24 Stunden Bereitschaft hat, daran wurde unsere Mannschaft schmerzlich erinnert, als das erste Steak auf dem Teller lag. Alarm! Gott sei Dank - wie sich auf der Einsatzfahrt herausstellte - nur ein "Fehlalarm", sodass wir unser Essen doch noch warm in den Bauch bekamen.
Spektakulärer ging es da schon gegen ca. 22.00 Uhr am Abend zu, als die Leitstelle eine Hilfeleistung Stufe 3 meldete. Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person beim Autohaus Opel Ortmann. Jetzt war Eile angesagt, denn mit einem H3 ist nicht zu spaßen - hier geht es um Menschenleben! Jedoch hatte der Einsatzleiter alles im Griff und seine Kameraden schnell eingeteilt. Der Angriffstrupp kümmerte sich um den Verletzten, während die verunfallten Fahrzeuge fachmännisch unterbaut und somit gesichert wurden. Ebenfalls wurde ein Löschangriff aufgebaut (Wasser, Schaum, Pulver - wie beim Verkehrsunfall üblich). Nach der Personenrettung mit Rettungsbrett wurde die (mittels Kakaopulver und Wasser simulierte) Ölspur abgestreut.
"Schaulustiger" war bei diesem "Einsatz" übrigens unser Verbandsgemeindejugendwart Volker Hain, welcher begeistert war und nichts als Lob für die Jugendlichen übrig hatte. Auch die Betreuer bekamen Dank und Anerkennung für die enorme Vorbereitung und den damit verbundenen Zeitaufwand. Für den weiteren Verlauf der Veranstaltung wünschte er uns alles Gute und eine ruhige Nacht…
… die sollte es jedoch nicht geben.
Um kurz nach halb eins schallte der Alarm durch die Halle. Wer jetzt schon geschlafen hatte war wieder hellwach. "Brand eines Wohnhauses mit Menschenrettung!" Ein Feuer 3!
Schnell war die Jugendfeuerwehr vor Ort. Im leerstehenden Übungshaus am Gymnasium hatten wir mittels Nebelmaschine und Blitzleuchten ein schaurig echt wirkendes Einsatzszenario geschaffen. Der Angriffstrupp ging zur Menschenrettung ins Gebäude vor. So wurde auch das Auffinden der vermissten Person rasch per Funk an den Gruppenführer gemeldet. Es folgte eine Crash-Rettung und die anschließende Übergabe an den Rettungsdienst.
Gegen 6 Uhr in der Früh - nun schliefen endgültig alle - kam die Leitstelle ein weiteres mal mit Alarm. Gemeldet wurde ein PKW Brand in einer Waschstraße. Im Halbschlaf blieb so manches T-Shirt auf links gedreht - jedoch waren die Fahrzeuge erstaunlich schnell besetzt.
Mit einem Schaumangriff wurde dem Feuer schnell die Luft zum Atmen genommen und der Brand war unter Kontrolle. Die zwischenzeitlich aufgebaute Beleuchtung der Einsatzstelle konnte zurückgebaut werden, da es über den Einsatz tatsächlich hell geworden war. Ein schöner Sonntagmorgen erwachte.
Nach Einrücken ins Gerätehaus wurden die Fahrzeuge wieder fertig gemacht - ebenfalls eine ständige Aufgabe im Arbeitsalltag eines Berufsfeuerwehrmannes. In der Zwischenzeit bereitete der Küchendienst das Frühstück vor. Frische warme Brötchen, süß oder herzhaft belegt - das braucht man nach so einer Schicht! Müde aber zufrieden saßen die Jugendlichen gemeinsam am Tisch und ließen die vergangenen Stunden Revue passieren.
Sinn und Zweck der mittlerweile bei den Jugendfeuerwehren weit verbreiteten 24-Stunden-Übungen ist schnell erläutert. Für einen Tag Berufsfeuerwehrmann sein - wer findet das nicht spannend? Wir simulieren eine Schicht im Alltag eines Berufsfeuerwehrmannes, mit allen Pflichten und unerwarteten Einsätzen. Der psychologische Aspekt wird hier natürlich nicht aus den Augen gelassen. Gefördert werden Kameradschaft, Teamfähigkeit und Zusammenhalt der Jugendlichen. Durch die Ihnen übertragene Verantwortung als "Einsatzleiter" oder "Gruppenführer" wird das Selbstvertrauen der Mädchen und Jungs gestärkt. Spielerisch werden Kenntnisse und Fertigkeiten im Feuerwehrwesen gefördert, was wiederum gerade für unsere älteren Mitglieder eine gute Grundlage für eine spätere Übernahme in die Aktive Wehr bietet.
Wir bedanken uns bei allen Helfern und Organisatoren der Veranstaltung. Ein besonderer Dank gilt der Spedition Rödder und dem Autohaus Opel Ortmann, die Ihr Firmengelände für unsere Einsatzübungen zur Verfügung stellten.
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